Die Freude des Älterwerdens
Was verändert sich eigentlich wirklich, wenn wir älter werden? In den vergangenen Jahren ist mir etwas aufgefallen, das ich so nicht erwartet hätte: Mit dem Älterwerden ist mein Leben in mancher Hinsicht leichter geworden. Nicht, weil es weniger Herausforderungen gäbe. Sondern weil sich meine Haltung verändert hat. Ich muss weniger kämpfen, weniger beweisen, weniger Erwartungen erfüllen – weder die der anderen noch meine eigenen. Stattdessen ist da mehr Ruhe, mehr Selbstverständlichkeit, oft sogar eine stille Freude.
Auch die körperlichen Veränderungen des Älterwerdens bieten überraschende, oft positive Einsichten. Ich habe gelernt, mich besser um meinen Körper zu kümmern – sei es durch gesunde Ernährung, Bewegung an der frischen Luft, Tanz, Onlinetraining oder durch bewusstere Ruhezeiten. Dieses gestärkte Bewusstsein für meinen Körper und das Wohlbefinden führen dazu, dass ich mich oft gesünder und wohler fühle als noch vor zehn Jahren.
Wenn möglich, nehme ich mir die Freiheit, meine Zeit so einzuteilen, dass ich mich den Dingen widmen kann, die mich erfreuen und mir am Herzen liegen. Ohne viel wie früher „an mir zu arbeiten“ genieße ich meine Arbeit, das Wandern, das Musikmachen, Freundschaften und auch die stillen Momente der Ruhe. Vielleicht ist dies das Älterwerden: dass wir mehr und mehr das weglassen, was uns anstrengt und nicht froh macht.
Eine freudvolle Perspektive auf das Leben
Meine Freundschaften sind teils über Jahrzehnte tiefer und bedeutungsvoller geworden. Auch die Beziehungen zu meinen Geschwistern sind tiefer geworden, seit unsere Eltern nicht mehr da sind. Die Zahl der Freunde wird kleiner, weil ich mehr auf meine Kapazitäten achte.
Freuden dieser Woche waren Musikerlebnisse mit der Band, die Liebe zu meiner besten Freundin, ein Telefonat, als der Groschen fiel, ein Solo zu singen im Chor. Freude geschieht durch liebevollen Alltag und Kontemplation, in der Natur sein, Trommeln, tanzen und andere ekstatische Momente.
Ich verspreche mir noch einige Freude vom Älterwerden: weitere Wanderungen, die mich mit der Natur verbinden, tiefere Ruhe und Gelassenheit, eine weite Perspektive auf die Welt sowie immer mehr im Frieden mit meinen Erfahrungen und der Vergangenheit zu leben. Und Dankbarkeit für die kleinen Dinge: der warme Sonnenstrahl, die freundliche Geste, ein guter Film.
Die Freude kommt von innen
Ich mag mich zunehmend so, wie ich bin. Die Wahrnehmung verlagert sich mehr nach innen. Der Körper und viele Aktivitäten sind nicht mehr das Zentrum der Identität. Die Freude kommt aus anderen Quellen, aus dem, was nicht mit den Augen, sondern mit einem inneren Blick wahrgenommen wird. Ich möchte weiter auf Schatzsuche gehen, in der Tiefe forschen, mich besser kennenlernen. Zulassen und geschehen lassen, dass ich bin, wie ich bin.
In mir nehme ich manchmal eine innere Stimme wahr, die mich führt. “Wer bin ich? Ich bin die, die Lydia durchs Leben führt. Ich bin wie ein helles Licht, ihr Höheres Selbst. Die Stille in ihrem Sturm. Ich bin Freude.”
Mich interessiert: Wie bewältigen Sie das Älterwerden?
Bild zur Meldung: Brayan Hernando Guzman Cortez auf Pixabay