Kundalini-Aktivierung und Bewegte Trance
Während einer Kundalini-Aktivierung* im Rahmen meiner Ausbildung durfte ich eine Erfahrung von besonderer Tiefe machen: Sobald die rhythmische Musik einsetzte, trat mein Verstand in den Hintergrund und mein Körper überließ sich intuitiven Bewegungen. Dabei konnten aufgestaute Gefühle frei abfließen, gefolgt von einer tiefen inneren Ruhe und dem Gefühl einer lebendigen Freude an der Verkörperung. Mir schien, als würde ich mich durch verschiedene evolutionäre Stufen bewegen – vom Einzeller über den Fisch bis hin zum bewussten Aufrichten an Land. Diese dynamische Selbsterfahrung fasziniert mich zutiefst.
Die Neurobiologie der Bewegten Trance
Klangmuster und Rhythmen besitzen die Eigenschaft, das Nervensystem anzusprechen und uns in Trancezustände zu versetzen. Aus neurowissenschaftlicher Sicht lässt sich Klang als strukturierte Frequenz und Information beschreiben. Die Kundalini-Aktivierung nutzt dynamische Klangbilder, um über den „Inner Dance“ (Inneren Tanz) verschiedene Gehirnwellen-Zustände anzuregen.
Diese Methode ist eng mit den Ansätzen des Pioniers Pi Villaraza verwoben. Er verbrachte Jahre in Einsamkeit auf einer abgelegenen philippinischen Insel. Dort machte er prägende Erfahrungen mit der Kundalini-Energie und erlebte ein tiefes Einheitserlebnis mit Mutter Erde. Zurück in der Zivilisation begann er gemeinsam mit Wissenschaftlern zu erforschen, wie gezielte Klangfrequenzen Prozesse im Körper anstoßen können. Die genutzten Soundscapes – vielschichtige, längere Klangkompositionen speziell für die Inner-Dance-Praxis – spiegeln dabei Gehirnwellen wider, die wir auch im Alltag und im Schlaf durchlaufen: Beta für Konzentration, Alpha für Entspannung, Theta für tiefe Meditation, Delta für Regeneration sowie Gamma für erweiterte Wahrnehmung.
Ekstase und Entspannung: Das Nervensystem in Balance
Das Besondere an dieser Erfahrung ist die Dynamik im autonomen Nervensystem. Während der Klangreise werden Sympathikus und Parasympathikus gleichzeitig aktiviert. So entsteht ein Wechselspiel aus Tun und Sein, aus Bewegung und anschließender Stille. Musik, eine tragende Präsenz und feine Impulse begleiten diesen Prozess. Dabei verläuft jede Erfahrung individuell: Der Körper drückt das aus, was im jeweiligen Moment präsent ist. Es geht um ein vorurteilsfreies Geschehenlassen und biologisches Entspannen.
Wenn das Nervensystem in Kohärenz geht
Aus eigener Erfahrung nehme ich nach solchen Prozessen oft eine körperliche Entlastung wahr: Die Muskeln entspannen sich, und der Geist wird klar. Die Soundscapes wirken beim Inner Dance wie ein akustischer Kompass. Sie laden das Nervensystem ein, in Kohärenz zu gehen – einen Zustand, in dem Herzschlag, Gehirnwellen und Atmung sich harmonischer aufeinander abstimmen. Aus anfänglicher innerer Unruhe kann so eine neue, balancierte Ordnung entstehen.
*Kundalini-Aktivierung ist eine Praxis, die blockierte Lebensenergie im Körper lösen und in Bewegung bringen soll.
Bild zur Meldung: © Los Muertos Crew auf Canva