Geben und Nehmen in Balance

„Mama, willst du auch ein Eis?“ „Ja, klar. Mach mir bitte auch eins.“ Eine Minute später schwebt ein astreines Sand-Eis vor Mamas Gesicht. Oder: „Guck mal, Papa, hab ich ganz alleine gemalt!“ „Äh, ja, wunderbar.“ „Schenk‘ ich dir!“ Damit streckt das Söhnchen ein Blatt Papier mit wenigen krakeligen Strichen drauf dem ratlosen Vater entgegen. Was aber nun tun mit dem Sand-Eis oder dem Kunstwerk in spe? Annehmen!!

 

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Ich brauche das Du und das Du braucht mich. Wobei „brauchen“ ein wenig zu funktional klingt. Vielmehr ist es ein auf allen Ebenen miteinander Schwingen – emotional, mental, physisch und seelisch. Wir nennen dies „in Beziehung sein“, was allerdings noch nichts über den Sinn oder die Qualität der Beziehung aussagt.

 

So wie wir nicht nicht kommunizieren können, so können wir auch nicht nicht in Beziehung sein. Wir können gute, schlechte, förderliche, verletzende oder beglückende Beziehungen haben, aber ohne Beziehung sind wir nie. Dies lehrt uns auch schon das Gesetz der Quantenverschränkung: Sofern eine inhaltliche Verbindung oder ein Bezug zueinander besteht, existiert auch immer eine Verschränkung, also Beziehung – unabhängig von Zeit und Raum.

 

Aber zurück zum Sand-Eis und Kunstwerk. Der Wunsch des Kindes entspringt nicht irgendeiner zufälligen Laune. Es ist eine klare Konsequenz einer ganzen Kette einander bedingender und aufeinander aufbauender Beziehungsbedürfnisse.  Was meint hier Beziehungsbedürfnis? Aus der Psychologie sind den meisten inzwischen die elementaren Lebensbedürfnisse, auch Maslowsche Bedürfnispyramide genannt, bekannt. Innerhalb der sozialen Bedürfnisse können wir weitere spezifische Bedürfnisse erkennen, deren Erfüllung oder Nicht-Erfüllung die Qualität unserer Beziehungen gestalten. 

Hier nennt das ROMPC® folgende acht relevanten Beziehungsbedürfnisse:
Sicherheit: Sicher ankommen in dieser Welt

Vergewisserung: Erste Erkundungen der Welt mit Vertrauen und Verbindung im Hintergrund

Grenzen: Orientierungsrahmen in Bezug auf räumliche Ausdehnung, eigene und fremde Grenzen

Bestätigung: Erster eigener Ausdruck von Gefühlen, Gedanken, Beobachtungen

Einmaligkeit: Sich selbst als Individuum wahrnehmen und gesehen werden

Initiierung durch andere: Ich brauche dich, damit du mir zeigst, es selbst zu tun

Einfluss: Das eigene Handeln zeigt Wirkung auf andere

Geben: Ich gebe zurück, was ich erhalten habe und schließe damit den Kreislauf

 

Das Sand-Eis und Kunstwerk sind also erster Ausdruck dessen, die erhaltenen Geschenke der bisherigen Umsorgung und Liebe zu erwidern. Vermutlich kennen aber viele von uns die Schwierigkeiten, diesen Kreislauf des Gebens und Nehmens frei und entspannt gestalten zu können. Dies wundert nicht, denn wenn dieses oder andere der vorangegangenen Beziehungsbedürfnisse verletzt wurde, wirkt sich das immer auf die Beziehungsgestaltung aus, vorzugsweise wenn derartige Verletzungen – in aller Unkenntnis ihrer Existenz – wieder und wieder geschahen. 

 

Erlebst du also in deinem Leben Schwierigkeiten mit dem Kreislauf des Gebens und Nehmens, finde heraus, in welcher Weise deine eigenen Bedürfnisse hier nicht angemessen berücksichtigt wurden. Denn diese Schieflage ist nicht in Stein gemeißelt und durch professionelle Begleitung kann deine innere Beziehungsbalance „nachreifen“ und wieder ausgeglichen werden.

 

Cordula Roemer, ROMPC®-Coach 

 

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