Freiheit durch Struktur

Menschen fragen mich manchmal, wie ich das alles unter einen Hut bekomme. Drei Jobs, eine eigene Praxis, zwei regelmäßige Angebote. Die ehrliche Antwort: nicht nur durch Zeitmanagement — sondern weil ich irgendwann aufgehört habe, meinen Alltag nur zu “organisieren”. Und begonnen habe, ihn zu gestalten.

 

Gestalten bedeutet: Dinge in Beziehung setzen zu dem, was mir wichtig ist. Meine Werte — Verbundenheit, Verantwortung, Lernbereitschaft, Integrität — sind nicht abstrakte Begriffe. Sie sind der Stoff, aus dem mein Tag gewebt ist. Wie das konkret aussieht, davon erzähle ich im Folgenden.

 
Ein Tag, von innen gestaltet

Mein Alltag besteht aus zwei angestellten Jobs und meiner eigenen Privatpraxis für Heilkunde und Physiotherapie; zusätzlich biete ich zwei Veranstaltungen - “Hexenküche”-Kochevents und Wanderungen in der Potsdamer Umgebung - in regelmäßigen Abständen an.


 Ich plane morgens ausreichend Zeit nur für mich ein (zweieinhalb bis drei Stunden): für meine Körperpflege, zwei- bis viermal pro Woche zum Meditieren, einen schönen Tee — und einfach Raum. Nach dieser Me-Time bin ich bereit, in den Tag zu starten.
 

Dreimal in der Woche fahre ich nach Berlin in zwei Pflegeeinrichtungen - meine Herzensprojekte - und behandle dort zum Teil langjährige, stark pflegebedürftige Patient:innen. Das nimmt den gesamten Vormittag ein. Zurückgekehrt nehme ich mir Zeit für eine Mittagspause mit selbst zubereitetem Essen und einem Powernap.


 Danach stehe ich zweimal die Woche für meinen Job in einer Arztpraxis zur Verfügung - an den anderen Tagen für Behandlungen in meiner eigenen Praxis und für die Planung meiner Angebote. Einmal im Monat treffen wir uns im Autorenteam zum kreativen Austausch.


Am Abend und an den Wochenenden bleibt Zeit für mich — in Ruhe, mit Freunden oder der Familie, in der Natur oder im Garten.

 
Freiheit von Innen

Was mich das alles gelehrt hat: Struktur ist nicht das Gegenteil von Freiheit. Sie ist deren Voraussetzung. Wer seinen Tag nach außen hin vollständig verplant, verliert sich darin — wer ihn von innen her gestaltet, findet darin Raum. Den Unterschied spüre ich jeden Morgen, wenn ich mir diese ersten Stunden nehme, die niemand anderem gehören als mir. Nicht nur als Vorbereitung auf den Tag, sondern  als dessen Fundament.

 

Miriam Großhennig

 

Bild zur Meldung: EnergieDeVie from Pixabay