Heilsames Musizieren
Aus einem musikalischen Elternhaus stammend, begann ich früh mit Klavierunterricht bei meinem Vater. Doch es machte mir nicht allzu viel Freude und gerne ließ ich einen Groschen zwischen die Tasten fallen, dessen Klappern dann den Unterricht beendete. Klassische Musik spielte eine große Rolle und damit verbunden waren hohe Ansprüche an Virtuosität und Perfektion. Hier konnte ich mich eigentlich nur blamieren und gab auch den intensiven Einzelunterricht an der Konzertgitarre wieder auf. In der Folge vermied ich lange jedes Risiko von Beschämung und rebellierte gegen Druck.
Erst viel später entdeckte ich für mich das Trommeln. Als Studentin kaufte ich mir Bongos und nahm später Unterricht an der afrikanische Djembé. Hier spürte ich die Kraft und Energie der erdhaften afrikanischen Musik. Wir gründeten ein Ensemble und machten Straßenmusik. Auf einmal ging es um Gemeinschaft, Freude, Wertschätzung und Intensität. Hier spürte ich mich selbst von den Fingerspitzen bis in die Fußsohlen, kam aus dem Gedankenkarussell ins Jetzt. Auch meine Emotionen bekamen Platz und ich spürte unzensierte Lebenskraft.
TaKeTiNa – heilsame Trance
In der folgenden Zeit nahm ich Unterricht in TaKeTiNa, wo es um die Heilkraft und das Loslassen durch Rhythmus ging. Der Musiker und moderne Schamane Reinhard Flatischler hatte diese Methode entwickelt, die Bewegung, Rhythmus und Stimme verbindet und Lernen in einem leichten Trancezustand ermöglicht. Er führt die Gruppe durch aufeinander aufbauende Sequenzen, die einfach beginnen und sich zu einem komplexen Rhythmus entwickeln. Die Schritte im Kreis, in der Mitte eine Basstrommel, werden mit Klatschrhythmen begleitet, dazu kommen hypnotische Wechselgesänge. Das Denken kommt nicht mehr hinterher und es entsteht eine tiefe mentale Ruhe.
Ich bin vollkommen in der Gegenwart, weil sie meine volle Aufmerksamkeit fordert. Ich lerne, das Rausfallen aus der Ordnung als natürlichen Teil des Prozesses zu sehen ohne Leistungsdruck. Weil die Gruppe und der Grundschritt mich tragen, sobald ich mich entspanne und mich dem Fluss hingebe, entstehen Vertrauen, Klarheit, Zentrierung und ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. Mein Stress und Versagensangst verschwinden mehr und mehr, Wachheit und Lebensfreude nehmen zu.
Mantrasingen - Freude und Loslassen
Im Yoga-Ashram erlebte ich durch das Singen von Mantras vertiefte Bewusstseinszustände. Die alte Schwere verwandelte sich. In einer Yogaschule begann ich mit einem Mantra-Singkreis, den ich sieben Jahre lang leitete. Auch hier ging es um Vertiefung nach Innen und das Spüren von Gemeinschaft und Angebundensein. Ein heilsamer Kreis, nicht nur für die Gruppe, sondern auch für mich. Auch in meiner neuen Heimat Potsdam leitete ich wieder lange Jahre einen Mantra-Singkreis und spielte Gitarre, Perkussion und Harmonium.
Und vor einigen Jahren fand ich meine Band. Hier fühle ich mich heute an einem kraft- und gefühlvollen Ort auf meinem Weg angekommen. Mein halbes Leben habe ich dafür gebraucht, meine musikalischen Talente, meine Wahrnehmung und meinen Selbstwert so weit zu entwickeln, dass es mir nun möglich ist, in einer Band zu spielen. Ich nehme ganz entspannt Unterricht und erlaube mir das Unperfektsein, rein aus Freude. Und es kommt nur noch selten vor, dass ich mir „einen Groschen zwischen die Tasten“ fallen lasse.
Lydia Poppe
Termine: Grooving Smoothies - Jazz, Latin, Klezmer, Tango, Balkanrhythmen
4.10.26 um 16:00 Klein Glienicker Kapelle Potsdam
23.10.26 um 20:15 Friedrich Reinsch Haus Potsdam
Bild zur Meldung: © Gundula Vogel auf Pixabay




















